Mittwoch, 22. März 2017

Nähe Distanz

Ich bin jetzt alt genug. Ich bin reif genug, um zu entscheiden, wo ich wohnen möchte. In den nächsten Tagen wird mein Bett verkauft und ich hole mein letztes Zeug zu meinem Papa. Ich ziehe endgültig bei meiner Mama aus. Theoretisch wohnte ich seit fast 4 Monaten nicht mehr bei ihr, aber jetzt weiß sie endlich warum und nichts war jemals so erleichternd. Ich musste ihr sagen, dass ich ein Zuhause brauche zu dem ich kommen kann, dass ich nicht mehr hin und her reisen möchte und wie gut es tut, Abends nachhause zu kommen und all seine Sachen vor zu finden, ohne sie den ganzen Tag von A nach B geschleppt zu haben. Sie wird mir in Zukunft mehr Geld überweisen, damit mein Papa mich nicht komplett alleine versorgen muss. Ich bin dankbar dafür, wie das Gespräch mit ihr verlaufen ist und alles in allem war es sogar richtig schön. Wir haben uns nicht mal angemeckert, wir haben einfach da gesessen, zusammen gegessen, Handys weg gelegt und geredet. Vielleicht braucht sowas einfach seine Zeit. Vielleicht muss man sich einfach entfernen, bevor man sich wieder näher kommt.

Großprojekt

Im großen und ganzen ist jeder einzelne Tag nur ein kleiner Stein in unserem Leben voller großer Gebäude die wir bauen. Ich baue gerade eine Villa. Sie besteht aus weißen Steinen und viel Glas damit sie lichtdurchflutet wird. Sie hat einen wunderschönen Vorgarten, in dem es alle möglich Arten von Blumen und Pflanzen gibt. Die Villa ist ein architektonisches Meisterwerk und sehr kompliziert zu bauen. Da die Steine hohe Qualität haben, sind sie sehr teuer und müssen nach und nach beschaffen werden. Das Glas ist äußerst zerbrechlich und erfordert eine Arbeit mit viel Feingefühl. Diese Villa ist ein Projekt was viele Jahre dauern wird. Tatsächlich soll es ein Projekt von mir alleine sein, aber die Hilfe von anderen wird gerne gesehen. So kann zum Beispiel gewährleistet werden, das große Steine oder teure Gläser nicht zu Bruch gehen. Jeder der möchte darf helfen und hat schlussendlich das Privileg mit mir in der fertigen Villa zu wohnen. Jeden Tag arbeite ich an der Villa. An manchen Tagen schaffe ich nichts zu erledigen, an anderen Tagen trage ich mehrere Steine zu der richtigen Stelle. Es gibt große Projekttage an denen viel passieren soll und die Hoffnung auf diese Tage und dessen Ziele sollten immer ganz oben stehen. Die Hoffnung darauf, dass die Villa irgendwann steht, nämlich egal in wie vielen Jahren. Es wäre trauriger wenn der Bau beendet werden würde. Es wäre so als wäre der Bau des Louvre vorzeitig beendet und niemals weitergeführt worden. Es wäre ein enormer Verlust für alle. Wenn meine Villa nicht fertig gebaut wird, wäre das der größte Verlust für mich.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Update

Seit dem neuen Blogspot Update habe ich 130 Follower verloren. Vielleicht Ghostfollower. Im Durchschnitt kommen pro Tag etwa 10 Leute auf meinen Blog, an manchen Tagen auch nur 2, an anderen wo ich was poste vielleicht 25. Das letzte mal kommentiert wurde auf diesem Blog am 15.7. was jetzt über fünf Monate her ist. Das Schreiben hier gibt mir nicht mehr das gleiche wie früher zurück. Es scheint sich vieles geändert zu haben. Ich weiß, viele sind diesen Schreibstil von mir nicht gewohnt. Ihr habt früher Alltagssituationen von mir gelesen, ganz roh und schmerzhaft. Heute gibt es die bereits reflektierte und zusammengefasste Version mit Moral von der Geschicht. Glaube das kommt nicht so gut. Tschuldigung dafür.

Had enough

Ich bin deine Luft zum atmen, wenn du das Gefühl hast zu ersticken. Ich bin dein Herzschlag, der in Regelmäßigkeit Blut durch deinen Körper schießt. Ich bin deine rechte Hand, wenn dir eine nicht reicht. Ich bin deine Augen, da wo die Dunkelheit uns umgibt. Ich höre für dich, wenn du dir selbst zu laut bist und nichts mehr hören kannst. Ich bin immer in deiner Nähe und führe dich durch jeden Tag. Du willst mich bei dir, du brauchst mich bei dir. Ich bin das Licht, am Ende des Tunnels, bei dem du dir nie sicher sein kannst, ob es der Ausweg oder der Zug ist. Vielleicht bin ich an einem Tag dein Ausweg, aus allem was dich so schmerzlich umgibt. Der Ausweg aus deinem Kummer, deiner Trostlosigkeit, deinem langweiligen Leben. Vielleicht bin ich am nächsten Tag der Zug, der mit 150 km/h auf dich zurast. Dann kann ich dir nicht mehr helfen. Du stehst alleine da, du kannst nichts sehen, weil das Licht zu hell scheint. Du kannst nichts hören, weil die Gleise anfangen zu rattern. Du kannst nichts mehr spüren, weil dein Körper taub ist und anfängt zu zittern. Du sehnst den Moment herbei in dem ich nicht mehr dein Ausweg, sondern dein Zug bin, denn du wünscht dir nichts mehr, als dass diese Qual endlich endet. Ich kann beides für dich sein. Sag mir einfach, was du brauchst.

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Einsicht ist Ansichtssache

Ich befürchte, das wird eine Art deprimierende Rückkehr. Die Geschichte von der Einsicht. Die unbekannte Einsicht. Die nicht vorhandene Einsicht. Die niemals eintreffende Einsicht. Die traurige Einsicht. Es gibt so unendlich viele Einsichten. Am schlimmsten finde ich eine verspätete Einsicht. Man sagt immer ganz einfach "Besser spät als nie" aber die Zeit spielt doch einen wirklich großen Faktor. Einmal ausgesprochene Worte können nicht mehr zurück geholt werden. Manchmal erfolgt die Einsicht darüber, dass die Worte kacke waren, danach. Das ist aber genau so schlimm, wie die fehlende Einsicht. Worte sind und bleiben ausgesprochen. Ebenso wie Taten. Man kann sie nicht verändern oder zurück holen. Der erste Eindruck sitzt so fest wie der stärkste Fels der Welt. Kennt Ihr also diese Worte, bei denen Ihr wünscht sie hätte niemals jemand ausgesprochen? Taten von denen man sich wünscht, sie wären niemals getan worden? Letzte Woche habe ich eine der heftigsten Worte überhaupt zu hören bekommen. Von einer Person von der ich mit diesen Worten nicht gerechnet habe. Tatsache ist nämlich, dass mich diese Worte in anderen Formen schon öfter erreichten. Ich sagte sie mir öfter als ich zählen kann. Aber niemals im Leben glaubte ich sie von meiner Mutter zu hören, als sie mich durch den Hörer anschrie wie blöd ich bin. Das saß tief. Unter uns, es sitzt immer noch. Ziemlich fest übrigens. Der beste Weg wäre gewesen, wenn die schnelle Einsicht erfolgt wäre. Scheiße, ich habe echt Mist gebaut mit meinen Worten, egal wie stressig mein Tag war, sowas kann ich meinem Kind nicht sagen! Hierbei sind wir aber bei der späten Einsicht. Sie hat nämlich überhaupt nichts verstanden. Sie hat mich damit Jahre zurück geworfen. Jahre voller Selbsthass und Schmerz. "Wie blöd kann man eigentlich sein?" Verdammt blöd, wenn du mich fragst. Viel zu viele Worte. Die Einsicht bei ihr kam wirklich spät und auch nicht von alleine. Leider musste mein Vater nachhelfen und ihr erzählen, wie beschissen es mir mit diesen Worten geht. Ich bin an dem Tag nicht nachhause gekommen, auch danach nicht. Sie hat sich einfach keine sorgen gemacht. Ich war nicht da und das war eben so. Mein Papa hat also mal wieder den Vermittler gespielt, weil sie von alleine nicht darauf kam, dass diese Worte unpassend und schmerzhaft waren. Vor allem, weil mindestens 15 Leute in der U-bahn mitgehört haben wie ich am Telefon angeschrien wurde. Demütigend und unverzeihlich. Sie hat sich also rührend entschuldigt und ihre Einsicht war mehr oder minder da. In die andere Richtung funktioniert das auch grandios. An Nikolaus hat mich jeder vergessen. Ich hab nichts bekommen, egal in welchem Zuhause ich war. Da musste meine Mutter doch wirklich meinem Papa mitteilen, dass sie beide versäumt haben was zu holen. Späte Einsicht. Ich will kein Nikolauskack zwei Tage später. Es geht auch nicht um das Zeug, sondern um den Gedanken daran, dass man Kinder hat und sie einfach vergisst. Diese Geschichten könnte ich ewig weiter führen. Momentan zieht mich alles runter, weil ich ständig neue Schläge verpasst bekomme. Die Einsicht bringt einem nichts. Es erfolgt selten bis nie eine Entschuldigung für völlig dämliches Fehlverhalten, was nur verletzend ist. Aber eins weiß ich, dass jede Einsicht die bei anderen erfolgt zu spät ist. Die ausgesprochenen Worte müssen vorher durchdacht werden. Denn was einmal ausgesprochen ist, kann man nicht zurück nehmen und wird vielleicht dauerhafte Schäden und Wunden hinterlassen. Wie man etwas sagt, kann ebenso viel helfen. Ich würde gerne meinem Umfeld sagen, wie sensibel ich bin, was Worte angeht und dass es nicht schaden kann 2 Minuten vor einem Angriff darüber nachzudenken. Ich habe Zeit. Vor allem genug Wunden. Ich brauche nicht mehr davon. Ich kann gut ohne, denn ich habe mit mir schon genug Probleme. Unendlich viele.

Dienstag, 8. November 2016

1 cm

Der Abstand ist immer noch nicht da. Ich dachte er wäre meilenweit. Eine Mauer sollte uns trennen, oder eine Kluft. So tief, dass ihr Ende nicht zu sehen ist. Nicht mal, wenn man mit einer Lampe in ihre Tiefe leuchtet. Man sollte nicht hören, wenn man etwas runter wirft und es den Boden erreicht. Die Kluft sollte gigantisch sein. Jetzt ist es ein kleines Schlagloch zwischen uns. Was muss passieren, dass aus Dingen die uns hunderte Kilometer weit weg vorkommen nur noch winzige Zentimeter werden? Was muss man erleben, was muss man fühlen, damit alles wieder hin ist? Ich wusste, dass ich es nicht überwunden habe. Mein Blick war stetig auf die Schmerzen gerichtet. Aber ich habe mich gebessert. Ich habe es geschafft nicht ständig darüber nachzudenken, ich habe die Zeit genossen in der ich mich nicht verstecken musste. Das war für mich so angenehm. Es brachte unendlich viele Vorteile mit sich, die Selbstverletzung hinter sich zu lassen. Wieso rede ich in der Vergangenheit? Es hat sich nichts daran geändert. Ich bin Selbstverletzungsfrei und das ist sehr gut so, aber wie einfach es ist in diesen Bereich zu rutschen, wo man einfach darüber nachdenkt, dass es doch gar nicht schlimm ist. Scheiße. Ich muss ständig lachen, wenn ich daran denke, dass es alles andere als normal ist. Viele, zum Glück viele, Menschen sehen das nicht als normal an. Das ist nicht normal über Selbstverletzung nachzudenken und sie zu machen. Egal aus welchen Zwecken auch immer. Es fällt mir aber an manchen Tagen so einfach darüber nachzudenken wieder in alte Muster zu fallen. Ich habe mich niemals für stark gehalten was sowas angeht. Ich finde es schwach von mir an schlechten tagen wieder darüber nachzudenken. Manchmal gehen eben Dinge schief, manchmal läuft die Arbeit scheiße, es gibt überall nur stress und Diskussionen. Ich bin so schwach, dass ich nach so einem Tag darüber nachdenke wie einfach es ist. Der Abstand ist immer noch da, aber heute wurde mir wieder bewusst, wie klein er eigentlich ist. Ich werde das immer mit mir rum tragen. Die Narben, den vergangenen Schmerz, zu wissen wie es sich anfühlt und alles was damit verbunden ist. Es hat mir im Endeffekt nichts gutes gebracht. Es hat Probleme gemacht, mich gestresst und mir so viel genommen. Nichts ist einfach. Vor allem nicht solche Sachen abzulegen. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich nicht mehr darüber nachdenke und überlege wie einfach es ist. Es ist nicht gut für mich, es ist für niemanden gut.

Freitag, 23. September 2016

The same procedure as every time

Nichts hat sich geändert, wird mir mal wieder bewusst, wenn ich über die momentane Situation Zuhause nachdenke. Kommt mir immer noch vor wie gestern, als ich hier über das schlechte Verhältnis zu meiner Mutter geschrieben habe. Sind aber jetzt vier Jahre her. Dennoch ist es immer das selbe mit ihr und mir. Wir kommen nicht miteinander klar, wir ecken an, wir streiten. Ich habe irgendwann gelernt in ihre Bahnen zu lenken, um sie zu besänftigen. Mir ging die Kraft aus, ich hatte keine Lust und Zeit mich in dieser Form weiter mit ihr auseinander zu setzen. Stattdessen habe ich mich gefügig gemacht wie sonst was. Natürlich, jetzt wehre ich mich kaum noch. Was der Preis dafür ist? Will ich gar nicht drüber nachdenken. Aber es hilft, denn so rastet sie weniger aus. Bald ziehen wir um und ich will alles dafür tun, nicht mit zu ziehen. Es wäre so viel einfacher bei meinem Vater zu bleiben. Immer noch genau der selbe Standpunkt wie vor vier Jahren. Aber da war ich erst 17. Heute hab ich immer noch Schiss zu sagen: "Ich ziehe nicht mit, ist besser für mich und ich bin alt genug." Sie hat einen Drang dazu alles tot zu diskutieren, in alle Einzelheit zu zerpflücken und es ist ihr egal auf welche Kosten das geht. Solange es nicht ihre sind. Bin's satt für sie eine Puppe zu sein. Sie hat die Fäden in der Hand. Ich dafür die Schere. Nur die Schere ist zu schwer um sie hoch zu heben und die Fäden sind zu dick um sie schnell durch zu schneiden. Ich brauche ein Messer. Doch ein Messer zu führen erfordert Mut. Oder Angst.
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